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„Trautes Heim ...“ – für viele Kinder nur ein Märchen?

© UNICEF/SWZK00180/Pirozzi
Tajikistan.

Pressemitteilung EURO/04/05
Kopenhagen, Genf, 15. März 2005


„Heute beginnt in Europa die Kampagne der Vereinten Nationen „Stoppt die Gewalt gegen Kinder – jetzt!“

Jeden Tag fordert familiäre Gewalt in der Europäischen Region nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Leben von vier Kindern im Alter von unter 14 Jahren – das sind über 1300 pro Jahr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auf jedes getötete Kind kommen viele Tausende, die jahrelang unter Gewalt und Missbrauch leiden.

„Die Auswirkungen für die Überlebenden halten ein Leben lang an,“ sagt Dr. Marc Danzon, WHO-Regionaldirektor für Europa. „Die Daten belegen, dass missbrauchte Kinder auch langfristig Schaden nehmen, denn sie gehen im Verlauf ihres Lebens eher gefährliche Risiken ein. Außerdem zahlt unsere Gesellschaft insgesamt in Form von Suizid, Depressionen, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Kriminalität und häuslicher Gewalt einen hohen Preis.

Diese Erkenntnisse bilden den Hintergrund, vor dem in Ljubljana vom 5.–7. Juli 2005 auf Einladung der slowenischen Regierung unter dem Motto „Stoppt die Gewalt gegen Kinder – jetzt!“ eine regionale Konsultation für Europa und Zentralasien veranstaltet wird (http://www.act-now.si). Die Konsultation wird durch das Amt der Hohen Kommissarin für Menschenrechte (OHCHR), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und den Europarat fachlich unterstützt und gleichzeitig durch  Beiträge aus der Gesellschaft, darunter auch solche von Kindern, bereichert werden. Sie selbst wird ein Beitrag zur Untersuchung über Gewalt gegen Kinder sein, die unter Federführung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Kofi Annan die Gewalt gegen Kinder und den Kindesmissbrauch beenden soll.

Die Untersuchung der Gewalt gegen Kinder durch die Vereinten Nationen (http://www.violencestudy.org/r25) wird sich mit den verschiedenen Umfeldern befassen, in denen Kinder Gewalt ausgesetzt werden. Dazu zählt auch das häusliche Umfeld. Zu Hause verbringen die Kinder 90% ihrer Zeit. Hier sollte ihre sicherste Zuflucht sein und doch ist es für all zu viele von ihnen der gefährlichste Ort überhaupt. Im Jahr 2001 gaben 60% aller in einer UNICEF-Untersuchung in Europa und Zentralasien befragten Kinder an, bei ihren Eltern und Betreuern gewalttätiges und aggressives Verhalten zu erleben.

„Die romantische Vorstellung vom stets sicheren und geschützten Leben der  Kinder in ihren Elternhäusern ist empirisch widerlegt,“ sagt Maria Calivis, UNICEF-Regionaldirektorin für Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und die baltischen Länder. „Die Untersuchung der Gewalt gegen Kinder stellt uns vor die Herausforderung, das Ausmaß des Problems wahrheitsgetreu abzubilden. Sie bietet uns aber auch eine gewaltige Chance zur Bewältigung des Problems. Wie können wir in erster Linie belastete Familien unterstützen und der Gewalt vorbeugen? Und wie kann die Gesellschaft eine Umwelt schaffen, die Kinder schützt? Diese Fragen wollen wir beantworten.“

Die Konsultation ist eine herausragende Gelegenheit zur Beantwortung  dieser Fragen und zum Kennenlernen der Ansichten und Auffassungen der Kinder, in denen das von ihnen erfahrene Leid zum Ausdruck kommt.


Fakten und Zahlen

Präzise und aussagekräftige Daten zum Kindesmissbrauch sind schwer zu beschaffen. Unterschiedliche Kulturen haben unterschiedliche Auffassungen über akzeptable bzw. inakzeptable elterliche Praktiken. Offizielle Statistiken geben über die Muster des Kindesmissbrauchs oft nicht viel her. Die Lage wird noch dadurch erschwert, dass die Länder unterschiedliche juristische und kulturelle Definitionen von Missbrauch und Vernachlässigung verwenden. Eindeutig besteht jedoch eine völlige Übereinstimmung zwischen allen Kulturen darin, dass Kindesmissbrauch inakzeptabel ist.
• Der Tribut an jungen Menschenleben in Europa ist Teil eines globalen Problems, das infolge des Weltberichts Gewalt und Gesundheit der WHO aus dem Jahr 2002 jährlich 57 000 Opfer fordert.
• Die WHO verzeichnet in der Europäischen Region durchschnittlich pro Tag den Tod von vier Kindern im Alter bis zu 14 Jahren bzw. von 1300 Kindern jährlich als Folge von Körperverletzung und Tötungsdelikten.
• Hierbei bestehen große Unterschiede zwischen den Ländern der Region: Die Kindersterblichkeit durch Tötungsdelikte liegt in den Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten fast dreimal über der Rate in der Europäischen Union.
• Dem UNICEF-Forschungszentrum Innocenti zufolge gibt es eine kleine Gruppe von Ländern mit außergewöhnlich niedriger Inzidenz von Kindestod durch Misshandlung, andere weisen dagegen ein vier- bis sechsfach höheres Niveau auf.
• Aktuelle vom Europarat veröffentlichte Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Kinder in Europa in ihrer überwiegenden Mehrzahl schon einmal in irgendeiner Weise körperlich bestraft worden sind.
• Europäische Kleinkinder und Kinder werden am ehesten im häuslichen Umfeld missbraucht. Nach einer WHO-Untersuchung verbringen sie an diesem Ort 90% ihrer Zeit.
• Bei der Jugendbefragung der UNICEF im Jahr 2001 gaben in Europa und Zentralasien 60% aller befragten Kinder an, bei ihren Eltern und Betreuern gewalttätiges und aggressives Verhalten zu erleben.
• Drogen- und Alkoholmissbrauch gehören zu den verbreitetsten und schwerwiegendsten familiären Problemen, die zur Gewalt gegen Kinder in den eigenen vier Wänden beitragen.
• Nach Schätzungen verüben in Industrieländern zwischen 40% und 70% der gegen ihre Partner gewalttätigen Männer auch Gewalt an ihren Kindern und von allen körperlich misshandelten Frauen misshandelt ca. die Hälfte selbst ihre Kinder.
• Immerhin eine gute Nachricht gibt es: Die Zahl der Todesfälle unter Kindern aufgrund von Misshandlungen scheint in der großen Mehrzahl der Industrieländer zurückzugehen.


Lösungen

Die Untersuchung wird darin erinnern, dass alle Länder Gesetze je nach Erfordernis umsetzen oder aufheben müssen, um alle Gewaltformen in der Familie unabhängig von ihrem Ausmaß zu verhindern. Unterschiedliche Muster familiären Missbrauchs müssen angegangen werden. Konkrete Interventionen für unterschiedliche Gruppen von Kindern müssen deren Alter, Verletzlichkeit und sich entwickelnden Fähigkeiten als Subjekte mit Menschenrechten berücksichtigen.

Die jüngsten, Aufsehen erregenden, tragischen und fatalen Missbräuche von Kindern durch Eltern und Betreuer haben die Notwendigkeit zur Früherkennung und zum integrierten Vorgehen in unterschiedlichen Bereichen wie in den Sozial- und Gesundheitsdiensten, in den Schulen und bei der Polizei unterstrichen, damit Kindesmissbrauch in der so genannten „Privatsphäre“ von Haus und Familie verhindert werden kann. Todesfälle wie der von Victoria Climbie im Vereinigten Königreich und von zwei weiteren Kindern in Frankreich hätten vielleicht abgewendet werden können, wenn die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen gut funktioniert hätte.

Der Weltbericht Gewalt und Gesundheit skizziert einige wirksame Wege zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch und -vernachlässigung, u. a.:
• Elternkurse – Aufklärung der Eltern über Kindesentwicklung und Unterricht über eine stimmige Kindererziehung sowie die Hantierung familiärer Konflikte und
• Hausbesuche durch eine Pflege- oder sonstige Gesundheitsfachkraft bei Familien, die zur fürsorglichen Betreuung ihrer Kinder besondere Unterstützung benötigen oder bei denen ein erkennbares Risiko zur Kindesmisshandlung vorliegt


REDAKTIONELLER HINWEIS


Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat einen unabhängigen Sachverständigen, Paulo Sérgio Pinheiro, mit der Leitung der globalen Studie über Gewalt gegen Kinder beauftragt. Die Untersuchung wurzelt in dem Recht der Kinder auf Schutz vor jeglicher Form von Gewalt und bezweckt die Förderung von Maßnahmen, die Gewalt gegen Kinder auf internationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene verhindern und ausschließen. Die Untersuchung wird in einer von den Vereinten Nationen geleiteten Zusammenarbeit durchgeführt und ist von der Generalversammlung dazu beauftragt, gemeinsam den Forschungsstand und relevante Informationen über die Formen, Ursachen und Wirkungen von Gewalt zu skizzieren, die Kinder und Jugendliche (bis zum Alter von 18 Jahren) betrifft. Ein umfassender Bericht wird 2006 veröffentlicht und der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt werden. 

Neun regionale Konsultationen werden Informationen aus den Regionen zur Gewalt gegen Kinder in vier Umfeldern zusammentragen: zu Hause, in der Gesellschaft, in der Schule und in staatlichen Einrichtungen. Die Konsultationen werden die Agenda für das Handeln bestimmen und zu den Empfehlungen der Untersuchung beitragen. Die Konsultation für Europa und Zentralasien findet auf Einladung der slowenischen Regierung vom 5.–7. Juli 2005 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana statt.

Weitere Auskunft erteilen:

WHO
Cristiana Salvi
Fachreferentin, Kommunikation und Überzeugungsarbeit
WHO-Regionalbüro für Europa
Europäisches WHO-Zentrum für Umwelt und Gesundheit
Rom, Italien
Tel.: +39 06 4877543. Fax: +39 06 4877599. Mobiltel.: +39 348 0192305
E-Mail: csa@ecr.euro.who.int
Webseite: www.euro.who.int oder www.euro.who.int/violenceinjury

UNICEF
Lynn Geldof
Regionale Kommunikationsleiterin
UNICEF Regionalbüro für Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten und die baltischen Länder
Genf, Schweiz
Tel.: +41 22 909 5429. Mobiltel.: +41 79 431 1537
E-Mail: lgeldof@unicef.org
Webseite: http://www.unicef.org/ceecis oder http://www.unicef.org/ceecis/media_1223.html

Angela Hawke
Kommunikationsreferentin
UNICEF Regionalbüro für Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten und die baltischen Länder
Genf, Schweiz
Tel.: +41 22 909 5433. Mobiltel.: +41 79 601 9917
E-Mail: ahawke@unicef.org

Soraya Bermejo
Kommunikationsreferentin
UNICEF Regionalbüro für Mittel- und Osteuropa, die Gemeinschaft
Unabhängiger Staaten und die baltischen Länder
Genf, Schweiz
Tel.: +41 22 909 5706. Mobiltel.: +41 79 459 2516
E-Mail: sbermejo@unicef.org

OHCHR
José Luis Díaz
Pressereferent
Amt der Hohen Kommissarin für Menschenrechte
Genf, Schweiz
Tel.: +41 22 917 9242
E-Mail: jdiaz@ohchr.org
Webseite: http://www.ohchr.org/english/

Europarat
Cathie Burton
Pressereferentin
Europarat
Straßburg, Frankreich
Tel.: +33 3 88 41 28 93. Mobiltel.: +33 685 11 64 93
E-Mail: cathie.burton@coe.int
Webseite: http://www.coe.int/DefaultDE.asp

Slowenische Regierung
Lea Javornik Novak
Ministerium für Gesundheit, Familie und Soziales
Ljubljana, Slowenien
Tel.: +381 1 23 91 700
E-Mail: lea.javornik-novak@gov.si
Webseite: http://www.gov.si

Nichtstaatliche Beratungsgruppe
www.childrenandviolence.org

 

 

 

 

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